Donnerstag, 22. Dezember 2011

DER TEE DER DREI ALTEN DAMEN - Glauser-Hörspiel aus 1964

Autor: Friedrich Glauser
Verlag: Christoph Merian
Auflage: September 2011
Mit Leopold Biberti, Kurt Ruffin, Elfriede von Bastineller u.v.a.
Musik: Hans Moeckel
Hörspielfassung und Regie: Albert Werner
Produktion Schweizer Radio DRS, 1964
Preis: 11,86 Euro

Krimi-Rezension: Nicole Glücklich
(Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle)

Der Christoph Merian Verlag hat sich auf klassische Hörspiele spezialisiert, die bereits mehr oder minder in Vergessenheit geraten sind – so auch dieses aus dem Jahre 1964 von Friedrich Glausers Geschichte „Der Tee der drei alten Damen“:

Im Genf der frühen 30er Jahre stirbt der Sekretär eines englischen Diplomaten in der Öffentlichkeit an einer Vergiftung. Schnell wird der anerkannte Giftexperte und Morphinist Professor Dominicé des Mordes verdächtigt. 

Doch dann stellt sich heraus, dass der Engländer nicht der einzige Mann mit solchen Vergiftungserscheinungen ist und er ist weder der erste noch der letzte, der daran stirbt. Bald mischt sich ein englischer Agent in die Angelegenheit ein und auch die Russen zeigen Interesse an der Angelegenheit. Am Ende ist die Ursache jedoch sehr profaner Natur.

Die Hörspielfassung dieser Geschichte ist ganz typisch für die 60er Jahre: die äußerst behäbige Erzählweise, die musikalische Untermalung, der Aufbau des Hörspiels… es ist eine dieser Produktionen, die normalerweise nur zu besonderen Anlässen von den Radiosendern aus dem Archiv gekramt und gesendet werden. 

Von daher ist es erfreulich, dass auch solche Hörspiele von einem Verlag einem breiteren Publikum bekannt gemacht werden. Dass es sich um ein frühes Kriminalstück handelt, macht sich besonders im Aufbau der Geschichte bemerkbar, bei dem es nicht einen Detektiv gibt, der den Fall systematisch aufklärt, sondern viele Involvierte, die den Fall schließlich mehr oder minder durch Zufall zu einem Abschluss bringen. 

Zudem wird der Täter nicht seiner gerechten Bestrafung zugeführt sondern es wird ihm erlaubt, sich selbst zu richten.

Friedrich Glauser wurde 1896 in Wien geboren und gilt als Vorreiter der deutschsprachigen Kriminalliteratur. Er führte ein sehr bewegtes, aber auch relativ kurzes Leben. Er verbrachte sowohl einige Zeit, aufgrund seiner Drogenabhängigkeit, in Heilanstalten wie auch zwei Jahre in der Fremdenlegion. 

Erst in den letzten fünf Jahren seines Lebens begann er mit dem Schreiben von Kriminalgeschichten. Die meisten wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht. Glauser starb im Alter von 42 Jahren am Vorabend seiner Hochzeit.

Wie in den meisten seiner Geschichten verarbeitet Glauser auch in „Der Tee der drei alten Damen“ teilweise autobiographische Ereignisse, wie etwa seine Drogenabhängigkeit und seinen Aufenthalt in diversen Anstalten. Leider wird die Geschichte gegen Ende etwas sprunghaft – ob dies an der Hörspielfassung liegt, kann ich nicht beurteilen. Auch die Auflösung des Falls ist für heutige Verhältnisse vielleicht etwas zu weit hergeholt.
Dennoch ist es dem Verlag sehr hoch anzurechnen, dass er gerade solche seltenen Stücke neu veröffentlicht!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.