Mittwoch, 30. November 2011

SCHLAFENDE GEISTER - Die richtige Mischung macht's...

Krimi-Rezension von Stefanie D. Sterl

Das typische Rezept für Krimikost im Jahre 2011:
- Harte Jungs
- bissige Dialoge
- Spannung
- Sex
und eine kleine Prise schwarzen Humor
 = ein (mehr oder weniger) befriedigter Leser

Allerdings sind die meisten Krimi-Leser inzwischen auch schlichtweg übersättigt von Stories dieser Art und daher verlangt es sie nach mehr (härter, bissiger, spannender), was manche Autoren dann wieder auf die Spitze treiben und aus ihrem Werk ein indiziertes Splatterfeuerwerk fabrizieren.

Glücklicherweise gibt es  auch Schriftsteller, die  exakt die richtige Mischung dieser Zutaten erwischen und  sich inhaltlich erfreulich von der Masse abheben. Einer dieser Schriftsteller ist für mich Kevin Brooks mit SCHLAFENDE GEISTER.

Der aus Südengland stammende (ehemalige) Gelegenheitsarbeiter ist seit seinem Debütroman ›Martyn Pig‹ ein international gefeierter freier Autor und stolzer (zweifacher) Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises (2006 für ›Lucas‹ und 2009 für ›The Road of the Dead‹). Sein aktuelles Buch SCHLAFENDE GEISTER (OT: A dance of Ghosts) hat allerdings überhaupt nichts mit Jugendliteratur zu tun...

Im Mittelpunkt steht der ausgebrannte Privatdetektiv John Craine, der mit seinem Leben so gut wie abgeschlossen hat, seitdem sein Lebensinhalt (seine Frau) vor vielen Jahren auf grausamse Weise ums Leben gekommen war.

Immer noch extreme Wut in sich tragend, arbeitet er tagsüber rastlos in seiner Tätigkeit als Privatschnüffler welche er so ziemlich ohne jegliche Rücksicht auf Verluste ausübt. Nachts betäubt er sich dann mit Alkohol und versucht sein tristes Dasein zu vergessen.

Eines Tages wird er durch einen neuen Auftrag aus seiner Lethargie gerissen. Craine soll das Verschwinden einer jungen Frau aufklären, was ihn in einen Sog aus Lügen, Gewalt und purer Korruption reißt. Die Ermittlungen wecken in ihm düstere Erinnerungen in denen er u.a. Parallelen zu dem Tod seiner Frau wiedererkennen kann. Wie wahnsinnig versucht er diesmal, das damals Unmögliche nun endgültig zu verhindern: Den Tod einer Unschuldigen.

Persönliche Meinung: 5 ***** (von 5 möglichen)

Vom ersten Moment an schafft es Brooks, dass der Leser eine Verbindung zu den Figuren empfindet und sogar große Sympathien für den Antihelden Craine entwickelt. Seine Ups & Downs, die sich durch den ganzen Roman ziehen, sind durchaus nachvollziehbar, wirken extrem authentisch und manchmal sogar etwas "beruhigend", wenn auch der typische Stereotyp eines "tough guys" sich hin - und wieder Schwächen eingestehen muss.

Zudem gelingt es Brooks durch seine Story eine Art Faden zu ziehen, der bis zur letzten Seite von Spannung und Angst geprägt ist. Er gibt dem Leser nur wenig Möglichkeiten sich zurückzulehnen und  durchzuatmen. Die Intensität  von Craines Story und macht es einem schwer, dass Buch auch nur einen Moment zur Seite zu legen.

Im Gegenteil... Die 396 Seiten stimmen  fast wehmütig, denn als Leser wäre man gerne noch länger Zeuge der unorthodoxen Ermittlungsmethoden Craines gewesen.

Ich beende diese Rezension mit den Worten Brooks in seiner Widmung für seine verstorbene Mutter Marion Phyillis Brooks: "Schade, dass du es nicht mehr lesen konntest, Mum!" Dem kann ich mich nur anschließen.
Kevin Brooks SCHLAFENDE GEISTER ist im dtv Verlag als Taschenbuch ( für 9,95 EUR erschienen. November 2011

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