Samstag, 1. Januar 2011

DAVIDS LETZTER FILM - Wer Lynch mag, wird Winner lieben / Erstes Krimi-Highlight 2011


Krimi-Rezension von Stefanie Diana Sterl

DAVIDS LETZTER FILM ist das Romandebüt des in Rom und den USA aufgewachsenen Journalisten und promovierten, deutschen Philosophen Jonas Winner. Mittlerweile lebt er wieder in Berlin und dort machte er sich im Laufe der Jahre mit seinen Reportagen und Drehbüchern (welche er u.a. für das ARD, ZDF und RTL verfasste) über Themen, die von der Luftwaffe bis zum Friedrichstadtpalast reichten einen beachtlichen Namen in der Film - und Fernsehbranche. Diese und weitere ausführliche Infos über Jonas Winner HIER auf seiner Autoren-Webseite.

Die bisherige Vergangenheit als Drehbuchautor merkt man Winners literarischem Erstlingswerk eindeutig an, so wie sein großes Vorbild David Lynch, auf welchen der Deutsche Taschenbuch Verlag auf der Rückseite des Buches auch nochmal speziell hinweist.

Der Roman spielt mit seinen zwei völlig unterschiedlichen Protagonisten namens David Mosbach und Florian Baumgartner ein perfides Spiel, welches letzterem beinahe den Verstand raubt.

Der ehrgeizige Journalist Baumgartner kommt nämlich mit einer ganz speziellen Mission nach Berlin welche sich auf den umstrittenen Filmemacher David Mosbach fokussiert über den er eine Reportage verfassen soll. Mosbach gilt in der Branche als enorm exzentrisch und steht seit kurzem sogar unter Mordverdacht da er an der Produktion eines angeblichen Snuff Movies beteiligt gewesen sein soll.

Getrieben von der Faszination des Düsteren, ist Baumgartner zu großen Teilen sogar persönlich berührt, da er vor vielen Jahren einmal sehr eng mit Mosbach befreundet war. Leider ist aus dieser Freundschaft mittlerweile Vergangenheit geworden und beide sind sich nun regelrecht fremd.

Angekommen in Berlin muss Baumgartner schockiert feststellen, dass Mosbach verschwunden ist und die Polizei bereits fieberhaft nach Spuren & Indizien über dessen Verbleib sucht. Getrieben von dem Wunsch, auf Mosbachs Schliche zu kommen und hinter dessen Fassade zu blicken, begibt sich Baumgartner auf einen Trip der ganz besonderen Art quer durch Berlin, der sich mit der Zeit zur regelrechten Irrfahrt entwickelt. Geplagt von Schmerz und Wahn muss er letztendlich feststellen, dass nichts, aber auch gar nichts so ist wie es scheint.

David Lynchs "Mulholland Drive – Straße der Finsternis" meets Joel Schumachers "8mm" und umgekehrt. Winners filmische Beeinflussung ist unverkennbar genau wie seine Intension, den Leser zu verstören, gezielt zu verängstigen und zu beunruhigen.

Zwar ist dieses Schema nicht neu und schon gar nicht unbekannt für Liebhaber amerikanischen Thriller-Kultur, dennoch ist es ungewöhnlich für einen deutschen Autor, sich mit derartiger Intensität an einen solchen Stoff heranzuwagen.

Ich kann nur hoffen, dass relativ schnell ein Regisseur auf den Roman aufmerksam wird und ihn verfilmt, denn schon alleine visuell würde ich das auf gar keinen Fall verpassen wollen. Sollte  es ein Regisseur wirklich schaffen, die verstörenden Bilder, die Winner in seinem Roman beschreibt, auf den Bildschirm zu bringen, ziehe ich jetzt schon cineastisch den Hut.

Persönliche Meinung: 4,5 Sterne (von 5 möglichen)

Thrill der Extraklasse gepaart mit verstörenden Bildern und einer Authentizität, die pure Gänsehaut beim Leser auslöst. Einziger Wermutstropfen: Der Stoff ist eben nicht "neu"! Es gibt  halt schon einen David Lynch....

DAVIDS LETZTER FILM ist heute (01.01.11) als Taschenbuch (352 Seiten) bei dtv erschienen und kostet 8,95 Euro.

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